Öffentliche Verwaltung

Die Organisation der öffentlichen Verwaltungen

von Iryna Spektor

2.2.2.1 Hierarchieprinzip

Das Gros der Verwaltung ist nach dem Hierarchieprinzip organisiert. Das ,,Hierarchie"-Prinzip bedeutet strikte Über- und Unterordnung aller Ämtsträger, sodass sich eine geschlossene Ämter- oder Personenpyramide (auch ,,Spinne“ genannt) ergibt. Dieses Schema stellt sich als Organisationsplan dar.[42]

Das Hierarchieprinzip als Unterordnungsprinzip muss lückenlos durchgeführt sein (insoweit machen auch Kollegialorgane keine Ausnahme), weil im demokratischen Staat jede Verwaltungsmacht vom Volke bzw. der Volksvertretung abgeleitet und von dieser kontrollierbar sein muss. Der Legitimations- und Kontrollzusammenhang darf nicht unterbrochen sein. Damit ist die Grundstruktur der Hierarchie vorgeprägt.[43]

Es wurde einleitend bereits auf die verschiedenen Gestaltungen der Ämterpyramide (mehr spitz oder mehr breit) hingewiesen, bedingt durch den Geschäftsanfall auf den einzelnen Stufen, aber auch durch die jeweils als tragbar empfundene Leitungs- oder Kontrollspanne. Wie viele unmittelbar unterstellte Beamte ein Vorgesetzter wirklich beaufsichtigen kann, muss nach Erfahrungswerten beurteilt werden. Bei Überschreitung dieser Zahl ist eine neue Paralleleinheit (Parallelabteilung) zu bilden. Das gilt von den untersten Ebenen bis zu den höchsten und kann beispielsweise die Ursache für die Teilung eines Ministeriums sein.[44]

Wie weit die Leitungsspanne reichen kann, hängt von den Aufgaben, der Behörde und den Fähigkeiten des Vorgesetzten und der Untergebenen ab.

Das Hierarchieprinzip besagt nicht unbedingt etwas über den „Dienstweg“ und den „Weisungsweg“ von oben. Es lässt sich durchaus denken, dass einzelne niedrige Amtsträger sehr hohen direkt unterstellt sind (was oft vorkommt) oder im Einzelfall von diesen direkt unter Umgehung der Vorgesetzten in Anspruch genommen werden können. Wenn dies durchgängig der Fall ist (rechtlich gibt es kein Verbot dieser Organisationsgestaltung), spricht man von ,,patriarchalischer Organisation“. Der Nachteil eines solchen Durchgriffssystems liegt in der Verunsicherung und nicht selten Bloßstellung der Zwischen-Vorgesetzten und letztlich in ei­ner Überlastung der obersten Behördenleitung. Die Klugheit gebietet deshalb gerade den Vorgesetzten, diesen Patriarchalismus zu vermeiden oder auf Ausnahmefälle zu beschränken.[45]

Das Hierarchie-Prinzip steht in enger Beziehung zum Bürokratie-Prinzip. Bürokratie besagt aber mehr als Hierarchie, nämlich zusätzlich die Existenz hauptberuflichen Personals, die prinzipielle Trennung von Amt und Person und ein durch abstrakte Vorschriften gelenktes, schriftliches Verfahren.

Bis heute gibt es kein Verwaltungssystem, dass der Bürokratie in Präzision, Stetig­keit und Gleichmäßigkeit des Verfahrens überlegen wäre. Die Bürokratie kann aber das Vertrauen der Öffentlichkeit nur dann erreichen, wenn die Mitarbeiter der Verwaltung den Bürgern ein Höchst­maß an Hilfe und Erleichterung gewähren.[46]

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[42] Vgl. Püttner (1989), S. 143

[43] Vgl. Püttner (1989), S. 148

[44] Vgl. Püttner (1989), S. 148

[45] Vgl. Püttner (1989), S. 148

[46] Vgl. Zimmermann (1977), S. 30
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