Öffentliche Verwaltung

Die Organisation der öffentlichen Verwaltungen

von Iryna Spektor

2.2.2.3 Zu den Vor- und Nachteilen von Kollegialbehörden

Zusammenfassend kann man sagen, dass Kollegialorgane oder Ausschüsse von Vorteil sind, wenn es um schwierige, weittragende oder komplexe Entscheidungen geht, bei denen sich die größere Ideenfülle, der breitere Sachverstand und die gründlichere Überlegungen bei gegenseitiger Kontrolle nutzbringend auswirken. Gruppenentscheidungen sind ferner zweckmäßig, um heterogene Interessen oder Belange zu koordinieren oder eine unabhängige, im besonderen Maße unparteiische Entscheidung sicherzustellen. Im Einzelfall muss an Hand dieser Kriterien beurteilt werden, ob die Einrichtung eines Kollegialorgans lohnend erscheint.[49]

Soweit es auf den Leistungsvergleich ankommt, sind Kollegialentscheidungen sicherlich angebracht, wo sie die beste denkbare Einzelleistung an Qualität überbieten. Es werden aber in Kollegien oder Gruppen qualitätsmindernde Kräfte, nämlich der in der Gruppe auftretende „Konformitätsdruck“ (Zurückstellen von Bedenken zwecks Verständigung und Wahrung der Kollegialität) und die dort entstehende „Reibungswärme“ wirksam. Darüber hinaus kann es in einem Kollegium leicht zu einer Verwischung und zu einem gegenseitigen Abschieben der Verantwortung kommen (jeder „versteckt“ sich hinter der Mehrheitsentscheidung), einem Phänomen, dem man zwar durch Verfahrensregeln entgegenwirken kann, das sich aber nie ganz ausschließen lässt. In kleinen Kollegialorganen (Kammern mit 3 Mitgliedern bei Gerichten) ist diese Gefahr wesentlich geringer als in größeren Ausschüssen. Es muss deshalb immer mit Sorgfalt auf die zweckmäßige Größe eines Kollegialorgans geachtet werden.[50]

[49] Vgl. Püttner (1989), S. 147

[50] Vgl. Püttner (1989), S. 147
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