Öffentliche Verwaltung

Die Organisation der öffentlichen Verwaltungen

von Iryna Spektor

2.2.3.3 Stab-/Linienorganisation

Definition und Beschreibung

Die Stab-/Linienorganisation ist eine Weiterentwicklung der Linienorganisation (zunächst im militärischen Bereich); sie wird durch so genannte Stäbe ergänzt. Stäbe sind auf Dauer eingerichtete Organisationseinheiten, die der Unterstüt­zung und Beratung der Leitung einer Behörde dienen. Sie sind organisatorisch außerhalb der hierarchischen Ordnung der Linie angesiedelt und haben daher gegenüber den Organisationseinheiten der Linie weder Weisungs- noch Ent­scheidungsbefugnis, sondern sind nur berechtigt, Anregungen zu geben oder Vorschläge zu machen.

Stäbe können sowohl spezialisiert (Fachstab) als auch generalisiert (Koordinie­rungsstab) gebildet werden. Häufig bestehen Stabsabteilungen, die in sich mei­stens nach dem Einliniensystem gegliedert sind.

Die Bildung besonderer Stäbe außerhalb der Linie kann auch als Hilfsmittel zur Trennung von Politik und Verwaltung dienen, indem der politischen Spitze einer Verwaltung (Minister, Oberbürgermeister) ein von der Linie getrennter Berater- oder Hilfsstab beigegeben wird. In Deutschland beschränkt man sich in dieser Hinsicht meist auf den persönlichen Referenten oder einen Pressesprecher und kennt nicht die strenge Bindung dieser Ämter an die Amtsdauer des Chefs. Überhaupt müssen Stäbe nicht wie Linien stets auf Dauer angelegt sein; es kann ohne weiteres Stäbe auf Zeit (Projektgruppen) geben.



Vorteile

Die Vorteile der Stabsbildung sind:[55]

Vergrößerung der Leitungs- und Führungskapazität der Verwaltungsspitze; die unmittelbare Information, Beratung und Planungskonkretisierung durch den Stab an die Spitze ist nicht durch Linieninteressen bestimmt und kann daher „unbefangener“ als Entscheidungsgrundlage dienen.

Verbesserte Möglichkeiten für Gruppenarbeit (Teamarbeit) und für die Einbringung von Experten-Wissen; insbesondere können aus dem Rahmen fallende Grundsatzfragen im Stab besser und meist sachverständiger behandelt werden.



Nachteile

Die Nachteile oder zumindest Gefahren der Stabsbildung liegen vor allem in:[56]

-der Vorprogrammierung von Konflikten und Machtkämpfen zwischen den chefnahen Stäben und den Linienabteilungen, deren untere Mitarbeiter sich durch die Befugnisse der Stabseinheiten mehr eingeengt als unterstützt fühlen; umgekehrt vermissen die Stäbe echte Einflussmöglichkeiten und versuchen ihre Kompetenz auszudehnen;

- einer Verwischung der Verantwortlichkeiten, indem die nach außen nicht auftretenden Stäbe verborgene Macht ausüben (auf den Chef) und die Linien-vorgesetzten sich „frustriert“ fühlen; bei zentralen Hilfsdiensten entsteht eine Teilung der Verantwortung für den Verwaltungsvollzug, die bei „Pannen" dazu führt, dass sich die Beteiligten gegenseitig die Schuld zuschieben;

- einem deswegen nötigen zusätzlichen Koordinationsaufwand;

- einer Verringerung des Anreizes zur Delegation von Verantwortung nach unten.

Die Gegenüberstellung legt die Vermutung nahe, dass die Vorteile der Stabsbildung einschließlich zentraler Dienste mit steigender fachlicher Differenzierung, mit dem Grad der Heterogenität der Aufgaben und mit der Größe einer Behörde abnehmen und die Nachteile dann stärker durchschlagen. Andererseits ist gerade in Großeinheiten das Bedürfnis nach Stabsbildungen seitens der Führung in besonderem Maße vorhanden. Das sich hier auftuende Dilemma aller Großorganisationen rät dazu, möglichst überschaubare Verwaltungseinheiten zu bilden.[57]



Typische Anwendungsfelder

Die Gegenüberstellung legt die Vermutung nahe, dass die Vorteile der Stabsbildung einschließlich zentraler Dienste mit steigender fachlicher Differenzierung, mit dem Grad der Heterogenität der Aufgaben und mit der Größe einer Behörde abnehmen und die Nachteile dann stärker durchschlagen. Andererseits ist gerade in Großeinheiten das Bedürfnis nach Stabsbildungen seitens der Führung in besonderem Maße vorhanden. Das sich hier auftuende Dilemma aller Großorganisationen rät dazu, möglichst überschaubare Verwaltungseinheiten zu bilden.

Stäbe finden sich sowohl in der Einlinien- als auch in der Mehrlinienorganisation fast immer bei der obersten Leitungsebene. Typische Stabsstellen, die in den meisten größeren Behörden vorhanden sind, sind Persönliche Referenten und das Pressereferat. In Ministerien findet sich üblicherweise noch ein Kabinettrefe­rat und ein Ministerbüro.[58]

Gewarnt werden muss insbesondere vor der verbreiteten Vorstellung, mit zentralen Diensten lasse sich (fast) immer mehr Wirtschaftlichkeit erzielen. Die genannten Reibungsverluste und die Tendenz zur Bequemlichkeit in gut „abgeschirmten“ zentralen Einheiten können oft die theoretisch errechneten Vorteile mehr als überkompensieren.[59]

Ägypten


[54] Vgl. Mattern (1982), S. 103

[55] Vgl. Püttner (1989), S. 152

[56] Vgl. Püttner (1989), S. 153

[57] Vgl. Püttner (1989), S. 154

[58] Vgl. Mattern (1982), S. 104

[59] Vgl. Püttner (1989), S. 154
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